Zeichenfläche 1binocularsZeichenfläche 1_bogZeichenfläche 1bookZeichenfläche 1_cameraZeichenfläche 1_chartZeichenfläche 1_compassZeichenfläche 1_daylightZeichenfläche 1_dokumentationZeichenfläche 1_dokumentsZeichenfläche 1_fishZeichenfläche 1_flyerZeichenfläche 1_forestZeichenfläche 1_frogZeichenfläche 1_heronZeichenfläche 1_hourglassZeichenfläche 1_mapZeichenfläche 1_meetingZeichenfläche 1_rulerZeichenfläche 1_shovelZeichenfläche 1_speedometerZeichenfläche 1_swampZeichenfläche 1_temperatureZeichenfläche 1_timelineZeichenfläche 1_timerZeichenfläche 1_waterZeichenfläche 1_wave
Moor in Lettland

Schutz und Wiederherstellung von Mooren gewinnt an Bedeutung in der globalen Klimaschutzdebatte

Die Diskussionen über den Schutz und die Wiederherstellung von Mooren und den Ausstieg aus dem Torfabbau nehmen an Fahrt auf.
Seit dem Pariser Abkommen im Jahr 2015, in dem sich die Regierungen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet haben, beschäftigen sich die politischen Entscheidungsträger mit der Frage, wie dieses Ziel am besten erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang werden in den nationalen Klimaschutz-Strategien Moorökosysteme zunehmend als eine wichtige Komponente zur Erreichung der Pariser Klimaziele anerkannt.
LIFE Peat Restore, ein vom NABU koordiniertes internationales Moorschutz-Projekt, will durch Workshops und Podiumsdiskussionen einen Beitrag zu den Diskussionen leisten und das Bewusstsein schärfen, welch wichtige Rolle Moore bei der Bekämpfung der Klimakrise einnehmen können. Darüber hinaus trägt das Projekt aktiv zu diesem Ziel bei, indem es 5.300 ha degradierter Moore in fünf nordeuropäischen Ländern wiederherstellt.

 

Moore und Klima
Hauptgrund für die wachsende Bedeutung von Mooren in der Klimaschutzdebatte ist ihre einzigartige Fähigkeit, bedeutende Mengen an Kohlenstoff auf unbestimmte Zeit zu speichern solange sie in natürlichem Zustand sind, bzw. ihre Rolle als massive Quelle von Treibhausgasemissionen, sobald sie durch Entwässerung ihrer Funktionsfähigkeit beraubt werden. Tatsächlich sind entwässerte Moore Treibhausgas-Emissions-Hotspots: jedes Jahr entweichen aus ihnen sechs Tonnen Kohlendioxid und mehr pro Hektar.
Aus diesem Grund können der Schutz noch intakter und die Wiederherstellung degenerierter Moore sehr kostengünstige und effektive Maßnahmen sein, da auf relativ kleiner Fläche eine relativ große Treibhausgasminderungen erzielt werden kann, was auch von immer mehr Regierungen erkannt wird. So hebt zum Beispiel auch der IPCC-Sonderbericht über Landnutzung vom August 2019 hervor (s. Zusammenfassung hier), dass der Schutz noch funktionstüchtiger Moorgebiete sofort effektive Ergebnisse liefert, da Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen wird.
Dahingegen wird nach den Erkenntnissen des genannten IPCC-Berichts durch waldbauliche Maßnahmen wie Aufforstung oder Wiederaufforstung Kohlenstoff nicht unbegrenzt festgesetzt, während er in Mooren über Jahrhunderte gebunden bleiben kann. Dieser Umstand erklärt, warum Moore unter den kohlenstoffreichen terrestrischen Ökosystemen eine so herausragende Rolle spielen: obwohl sie nur 3-4 % der Landfläche der Erde einnehmen, speichern sie etwa 26 % bis 44 % des geschätzten, in Böden gebundenen organischen Kohlenstoffs. Etwa 10 % der globalen Moorfläche sind durch menschliches Tun zerstört oder degradiert (also 0,3 % der Landfläche); diese aber sind Quelle von mindestens 5 % der globalen, anthropogen verursachten Kohlendioxidemissionen.

 

Die Wiederherstellung von Mooren ist ein effizientes und wirksames Instrument zur Eindämmung der Klimakrise, das Regierungen jetzt schon zur Verfügung steht

Die genannten einzigartigen Eigenschaften von Moorökosystemen verdeutlichen, warum der IPCC-Bericht die Verringerung von Moorentwässerung und die Wiederherstellung degenerierter Moore als vorrangige Tätigkeitsfelder nennt, da sie neben weiteren sozialen und ökologischen Vorteilen ein riesiges Treibhausgas-Minderungspotenzial bieten. Maßnahmen sollten jedoch unverzüglich ergriffen werden: „Einige Reaktionsoptionen werden nicht mehr möglich sein, wenn die Maßnahmen zu lange hinausgezögert werden; so könnte beispielsweise die Wiederherstellung von Mooren nicht mehr möglich sein, nachdem bestimmte Schwellenwerte der Moordegradierung überschritten wurden…“.

 

Deutschland und Moore
Bereits jetzt sind 10 % der europäischen Moore unwiederbringlich zerstört, weitere 44 % sind degradiert. In Deutschland dagegen sind bereits 95 % der Moore in degradiertem Zustand, also ihrer Funktionsfähigkeit der Torfspeicherung beraubt. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen sowie der wachsenden Erfordernisse durch die Klimakrise ist eine großflächige Renaturierung der Moore in Deutschland und Europa dringend erforderlich.
Die Bundesregierung hat zwar die Notwendigkeit erkannt, die Funktionsfähigkeit von Mooren zu sichern und wiederherzustellen sowie die Torfnutzung schrittweise zu reduzieren (z.B. 2016 im Klimaschutzplan 2050,  oder schon 2007 in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt). Es wurde allerdings bislang nicht genug erreicht, und die Fortschritte sind zu langsam.

Um schnell eine bedeutende Reduzierung der Treibhausgasemissionen auf dem Weg zur beschlossenen Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, muss die Wiederherstellung degradierter Moore auf nationaler Ebene zügig vorangetrieben werden. Da sofortiges Handeln erforderlich ist, muss die Politik neben Treibhausgasreduzierungen in anderen Sektoren dem Moorschutz hohe Priorität einräumen.
Auch der NABU weist schon lange auf Moore als bedeutende Kohlenstoffsenken hin, zuletzt z.B. in seinen Forderungen an die COP25 in Madrid oder gemeinsam mit mehr als 60 anderen Organisationen der deutschen Zivilgesellschaft (Klima-Allianz) in ihren Klimaschutzforderungen an die Bundesregierung.

 

Deutschland und Torfabbau
Heute wird in Deutschland fast die gesamte Menge des gewonnenen Torfes als Pflanzsubstrat verwendet – rund 50% für den professionellen und 50% für den privaten Gebrauch. Torfgewinnung ist jedoch nicht nachhaltig, denn Torf wächst unglaublich langsam (nur 1 mm pro Jahr!) und kann somit mit der intensiven Torfgewinnung nicht mithalten. Torf ist als kein in menschlichen Zeiträumen nachwachsender Rohstoff. Das Bundesamt für Naturschutz schreibt, dass bei der jetzigen Abbau-Geschwindigkeit die in Deutschland zur Gewinnung zugelassenen Torfbestände in spätestens zehn Jahren aufgebraucht sein werden. Es gibt bereits heute brauchbare Alternativen zum Torf. Länder, die von Anfang an nur auf geringe Torfressourcen zurückgreifen konnten, verstanden es auch mit andere Pflanzsubstraten zu arbeiten.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat in Anerkennung der Notwendigkeit, den Torfabbau einzustellen, eine Torfminderungsstrategie entwickelt. Obwohl der Plan darauf abzielt, den Torfabbau schrittweise zu reduzieren und schließlich ganz einzustellen, gibt es keinen verbindlichen Zeitplan für die Torfverbrauchsminderung. Die Strategie ist nicht ehrgeizig genug und spiegelt nicht den dringenden Handlungsbedarf wider, den der Kampf gegen die Erderwärmung gebietet; zudem folgt sie einem überwiegend freiwilligen Prinzip.
Deutschland sollte innerhalb der Europäischen Union eine führende Rolle mit der Formulierung und Verabschiedung einer verbindlichen nationalen Torfminderungsstrategie übernehmen. Die Schweiz und das Vereinigte Königreich haben bereits offizielle Torfminderungsstrategien verabschiedet.